|
Bild: © Marianne & Paul
In den Exerzitien in Luxemburg haben wir uns damit auseinandergesetzt, dass wir durch die Taufe berufen sind, priesterlich, königlich und prophetisch zu leben.
Dabei ist die Aussage: Ihr habt Anteil am Priestertum Christi sicherlich eine Herausforderung.
Es gibt fünf Aspekte, die verdeutlichen, was priesterlich leben bedeutet:
- Freier Zugang zu Gott
- Selbstgabe (Hingabe)
- Vergebung
- Verkündigung
- Vermittlung.
Zunächst merke ich, Paul, dass viele Bilder beim Wort „priesterlich“ in mir hochsteigen: das Amt, die Liturgie, die Macht, die Kirche, Gewänder, Weihrauch, Kerzen, Weihwasser, Choräle, Gottesdienste, Distanz, ehelos …
Wenn ich, Marianne, mir bewusst mache, dass ich durch die Taufe und Firmung als Kind Gottes alle diese Privilegien habe, erfüllt mich das mit Freude und Stolz, mit Dankbarkeit, aber auch mit Ehrfurcht. Das alles ist mir anvertraut, das alles soll ich nutzen und weitergeben.
Freier Zugang zu Gott, das drückt sich für mich darin aus, dass ich Gott ansprechen darf, nicht nur mit Hoheitsnamen, sondern mit “Du”, ich darf Vater/Papa sagen oder auch Mutter/Mama, denn Gott ist soviel mehr als wir uns vorstellen können.
Wenn es den freien Zugang zu Gott gibt, dann gibt es auch den freien Zugang zur Vergebung und Versöhnung. Das üben wir beide als Paar immer wieder ein und versuchen auch, Vergebung und Versöhnung in unserem Umfeld zu leben und möglich zu machen. Das ist oft eine große Herausforderung, aber es hilft mir, diese Aufgabe im Kontext der Königskinderwürde anzusehen. Dann ist es nicht nur meine Aufgabe und auch nicht nur mein Verdienst, sondern steht in einem größeren Rahmen und wird begleitet, gesegnet.
Vermittlung ist ein Dienst, den wir als Eltern ganz selbstverständlich für unsere Kinder getan haben: sie mitgenommen zu Gottesdiensten und den Feiern des Glaubens, biblische Geschichten erzählt und mit ihnen gebetet.
Paul: diese fünf Aspekte des priesterlichen Lebens, sind eine heftige Herausforderung, aber auch das, was ich im Kern als gläubiger Mensch will: priesterlich – in diesen Aspekten leben, als Lebensaufgabe vor der ich Respekt empfinde.
Der Aspekt Hingabe (Selbstgabe) fällt mir noch am schwersten. Ich denke z.B. an Alexej Nawalny: dieses Beispiel ist schon ein starkes Stück – geht’s auch kleiner, denke ich? Aber für seine Überzeugung zu brennen und sie konsequent verfolgen, da will ich schon mitgehen. Ich fühle mich angesprochen, herausgefordert, diese Thematik bringt was zum Schwingen in mir...
Marianne: Meine stärksten Gefühle sind Dankbarkeit und Demut. Dankbar, dass Gott uns dazu beruft, uns diese Aufgaben anvertraut und Demut, weil ich es mit menschlicher Unzulänglichkeit tun muss. Mich erfüllt es mit Freude, diese Aufgaben gemeinsam mit Paul als Ehepaar zu erfüllen, in der gegenseitigen Ermutigung und Stärkung, in der gegenseitigen Korrektur.
Dialog: Was geht mir durch den Kopf, wenn mir bewusst wird, dass ich priesterlich handeln darf in unserer Beziehung und in unserem Handeln als Paar? Wie fühle ich mich?
Herzlich Shalom, Marianne mit Paul
Zum Weiterlesen: AUS DER TAUFE LEBEN
|