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Foto: © Silke Bährens
„Wie ich es fühle, so habe ich es geschrieben; lassen wir die Musik reden, die spricht ja klar genug und ist stark genug, um sich zu behaupten. (Bela Bartok)
Wie viel Raum hat Kreativität in meinem Leben? Wer oder was hat mich ermutigt, kreativ zu sein, was hat meine schöpferischen Kräfte unterdrückt?“
Ich, Silke, habe dieses Zitat vor einigen Wochen im Stundenbuch „Magnificat“ entdeckt. Mich haben das Zitat und die dazu gehörenden Fragen sofort angesprochen. Ich komme aus einer Musikerfamilie. Meine Eltern haben sich im Kirchenchor kennengelernt und sie haben viele Jahrzehnte zusammen in verschiedenen Chören gesungen. Als mein Bruder und ich klein waren, wurde zu Hause viel gesungen und musiziert. Und natürlich haben wir sehr früh Blockflöte gelernt. Und früh habe ich im Kinderchor und später in anderen Chören gesungen oder auch im Orchester gespielt.
Wie in allen Familien wurde bei uns viel gebastelt. Nicht so erbaulich, eher frustrierend und gar nicht motivationsfördernd habe ich die Sprüche meiner Oma empfunden, die oft sagte, dass ich Kokolores mache. Kunst habe ich später nach der 10. Klasse abgewählt und mich mehr mit der Musik beschäftigt.
1998 habe ich dann meine Art von Kunst entdeckt. Im Rahmen der Kar- und Ostertage im Kloster Sießen mussten wir alle eine Osterkerze verzieren. Für mich war die Vorstellung zunächst Horror. Aber ich habe schnell Gefallen daran gefunden. Ich denke, dass es heute meine Berufung ist, durch meine Kerzen Glauben zu verkünden und anderen eine Freude zu bereiten. Mit wachen Augen gehe ich durchs Leben und entdecke immer wieder neue mögliche Motive. Ich, die ich eigentlich nicht sehr geduldig bin, kann mich stundenlang mit den Kerzen beschäftigen. Ich bin glücklich, wenn ich merke, wie sehr sich die beschenkte Person über die Kerze freut. Im Jahr verziere ich bis zu 100 Kerzen, also wöchentlich 2 Stück. Gott hat mir genau so viel Geduld geschenkt, wie ich sie für meine Kerzen brauche. Für mich sind sie ein schöner Ausgleich zu meinem eher klar strukturierten Bürojob. Ohne die Kerzen würde ich seelisch verkümmern.
2001 während eines längeren Aufenthaltes im Kloster Sießen sollten wir auf Bitten der Schwestern Kruzifixe aus Pappmaché machen. Ich wollte sofort mein Veto einlegen, habe mich aber darauf eingelassen. Das Fertigen des Kruzifixes war ein langer harter Weg. Heute bin ich unendlich stolz, dass ich mich durchgebissen habe. Ich bin total stolz auf das war ich geschaffen habe.
Manchmal wünsche ich mir, dass ich noch mehr Zeit für die Kreativität hätte.
Ich, Rolf, sehe meine Kreativität eher im künstlerischen Bereich. Ein gutes Farbempfinden wurde mir schon von meinem damaligen Kunstlehrer zugesprochen. Ich liebe es Dinge zu gestalten. So war ich viele Jahre für das Layout des Gemeinde-Pfarrbriefes zuständig. Handwerkliche Arbeiten, wie tapezieren, streichen, werken, fallen in meinen Zuständigkeitsbereich. Auch kann ich meine Kreativität beim Backen und Kochen einbringen. Wenn ich so etwas Schönes schaffe, erfreue ich mich daran und bin glücklich über ein gelungenes Werk. Genauso kann ich traurig sein, über Dinge, die ich nicht so gut hinbekommen habe.
Die anstehende Adventszeit kann eine gute Gelegenheit sein, um wieder mal kreativ zu werden. Wie wäre es mit basteln mit den eigenen Kindern. Enkeln oder Freunden oder ganz alleine? Welches Material spricht Dich gerade besonders an?
Zunächst eine kurze Besinnungsfrage:
- Wie und in welcher Form lebe ich Kreativität? Mach Dir kurze Notizen.
Wir laden Euch zum Austausch zu folgenden Fragen ein:
- Wie viel Raum hat Kreativität in meinem Leben? Beschreibe dies kurz. Wfim, wenn ich auf meine Kreativität schaue und Wfim, wenn ich Dir dies schreibe?
- Wer oder was hat mich ermutigt, kreativ zu sein? Was hat meine schöpferischen Kräfte unterdrückt? Benenne kurz Namen oder beschreibe die Situationen. Welche Gefühle kommen in mir hoch, wenn ich daran denke?
- In welchem Bereich träume ich davon, selber (mehr) kreativ zu sein? Wfim, wenn ich Dir von meinem Traum schreibe?
Herzliche Grüße aus Berlin-Spandau Silke Bährens und Rolf Schudlich |