In den Exerzitien haben wir uns mit dem Thema Heimat – bei mir zuhause sein auseinandergesetzt.
Heimat und Zuhause ist nicht nur ein Ort, sondern auch eine Erfahrung, ein Lebensgefühl.
Heimat – bei sich selbst zuhause sein, geborgen sein, sicher, gesegnet.
Welche Gedanken habe ich dazu und welche Gefühle leben beim Schreiben in mir?
Liebe Marianne,
Unser gemeinsames Räumen heute Morgen und das Einrichten unseres Malvenzimmers hat mir gutgetan. Wieder ein Schritt weiter im zuhause sein – in unserem Zuhause. Ich schätze, wie Du heute Morgen pragmatisch mit der Situation umgegangen bist, das hat uns weitergeholfen.
Ich bemerke, dass das Äußere-Zuhause eng mit dem Inneren-Zuhause verbunden ist. Unser Erfolg beim Räumen hat mich auch innerlich zufrieden gemacht.
Bei mir selbst zuhause, beheimatet zu sein, ist ein stetiges Suchen und Finden, ein lebenslanger Weg, der sich, wie wir unser Heim zuhause immer wieder anpassen und renovieren, eine stetige Entwicklung ist. Mir hilft auf diesem Weg oft Musik zu hören, die mich anspricht – gerne auch für viele Tage nacheinander die Gleiche. Das ist wie eine Sprache, ein Verstehen, ein Eins-Sein mit mir selbst, bei mir Zuhause sein.
Bei mir zuhause zu sein, ist für mich auch verbunden mit körperlichem Wohlfühlen. Mich zu spüren in Bewegungsübungen, oder (seltener) beim Sport, oder bei der Gartenarbeit, wie in diesen Tagen. Ein anderer Aspekt ist gesund zu sein, beruhigt zu sein, wenn meine Laborwerte stimmen und mir signalisieren: es ist alles o.k. Oder aber ich bin entsprechend aus dem Häuschen, also nicht zuhause, wenn Dinge nicht so gut gepegelt sind.
Mir hilft unsere Beziehung, unser zärtliches Miteinander, wo ich erfahre: hier ist Platz für mich!
Der Aspekt `gesegnet sein` wird mir bei unserer Ikone der Menschwerdung besonders bewusst. Hier erlebe ich starken Zuspruch geschaffen, gewollt, ins Leben gerufen zu sein. Das hat etwas Beruhigendes. Ich finde darin Geborgenheit und spirituelle Heimat, hier bin ich gut aufgehoben.
Wenn ich das so schreibe, bin ich dankbar für den Segen der mir / uns zuteil wird.
In Liebe Shalom, Dein Paul
Lieber Paul,
es tut gut, nach meinem Unterwegssein wieder zusammen zu sein und Zeit zuhause miteinander zu haben.
Wenn wir morgen das Apartment meiner Mutter räumen, dann ist das wieder ein Stück Abschied von meinem Ursprungs-Zuhause, von dem Ort, wo meine Mutter wohnt und sich freut, wenn wir kommen und Anteil nimmt, einfach da ist. Das Zimmer im Pflegeheim ist keine Wohnung mehr, wo wir uns treffen und uns freuen zusammen zu sein. Das gilt auch für Deine Mutter im Pflegeheim, auch wenn das für mich nicht mit so starken Emotionen verbunden ist.
Ich schätze unser Zuhause sehr, unser schönes Haus mit der wunderbaren Aussicht, wie wir uns eingerichtet haben und was unser Haus ausstrahlt und erzählt: von Zimmern für Freunde und Gäste, ein runder Tisch, der einladend ist, die offene Küche, in der wir gerne für viele kochen, die Bilder unserer Reisen und Begegnungen, die Bilder unserer Familie und Freunden. Das ist Zuhause!
Heimat wird mir dann wichtig, wenn ich in der Fremde, im Ausland war. Beim Nachhausekommen spüre ich die starke Vertrautheit mit unserer Heimat und der rheinischen Sprachmelodie, der Landschaft, dem Gefühl dazu zugehören zu dieser Geschichte und diesem Land. Das tut gut, das freut mich, stärkt mich. Manchmal ist es auch tröstlich und ermutigend. Da gehöre ich hin – hier kenne ich mich aus.
Zuhause sein bei mir – immer mehr und immer lieber! Viele meiner inneren Zwänge sind weniger geworden und ich erlebe innere Freiheiten: so zu sein, wie ich bin, mit meinen Unvollkommenheiten, mit meinen Grenzen, mit dem Unvollendeten. Ich kann es anschauen und annehmen – es ist nicht immer gut, aber es darf so sein! Mein unaufgeräumter Schreibtisch, mein großzügiger Umgang mit dem Geld, meine Spontanität, die manchmal auch zu Stress führt.
Und Du hilfst mit, dass ich nicht nur bei uns und unseren Lieben, sondern auch bei mir zu Hause sein kann. Dadurch, dass Du mich annimmst, mich stärkst, tröstest und ermutigst, kann ich auch immer mehr mein eigenes, inneres Zuhause schätzen. Danke dafür! Pierre Stutz nennt es `unter dem großen Segen leben`. Dieser große Segen ist uns / mir zugesagt worden. Leben in Fülle und Wegbegleitung. Das kann ich immer mehr glauben, und dafür bin ich dankbar.
In Liebe, Deine Marianne
Brainstorming/Besinnung: Was bedeutet Heimat/Zuhause sein für mich?
Dialogfrage:
Heimat – bei sich selbst zuhause sein, geborgen sein, sicher, gesegnet.
Welche Gedanken habe ich dazu und welche Gefühle leben bei Schreiben in mir?
Herzlich Shalom – das heißt: Du hast Platz / Heimat bei mir
Marianne und Paul
Zum Nachlesen: Pierre Stutz, Helge Burggrabe, Menschlichkeit jetzt!, Patmos
