Heute ist der zweite Adventssonntag. Wir, Marie-Theres und Uwe, haben uns darüber ausgetauscht, welches Adventslied uns besonders anspricht. Dies möchten wir mit euch teilen.
„O Heiland, reiß die Himmel auf.“ – Für mich, Uwe ist dies eines meiner liebsten Adventslieder. Es sind die markigen Worte und Bilder, die mich besonders ansprechen. Das ist nicht eine stille Bitte oder ein Flehen. Das ist eine Aufforderung an Jesus, an Gott direkt. In der ersten Strophe wird der Himmel bestürmt:
O Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab, vom Himmel lauf.
Reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für.
Nichts soll den Himmel aufhalten, nichts ihn mehr verdecken. Aus dem Lied spricht die Ungeduld und die starke Bedrängnis der Zeit, in der Friedrich Spee von Langenfeld den Text geschrieben hat. Klar, in seiner Zeit tobte der 30jährige Krieg, die Pest wütete und die Zeit der sogenannten Hexenverfolgung, deren innerkirchlich vehementester Kritiker eben jener Dichter war, hatte ihren Höhepunkt.
Auch heute kennen wir wieder zahlreiche Beispiele von Epidemien, Hungersnöte, Krieg, Verfolgung und Leid. Die Sehnsucht nach einem aufgerissenen Himmel ist groß.
Auch ich kenne diese Sehnsucht. Es ist die Sehnsucht nach einem heruntergekommenen Gott, den wir jetzt im Advent besonders erwarten. Ein Gott, der uns Hoffnung und Zuversicht gibt.
In meiner Beziehung zu Marie-Theres erlebe ich immer wieder diesen tröstenden und hellen Himmel. Dies sind manchmal nur scheinbare Nebensächlichkeiten: der zärtliche Blick, die liebevolle Umarmung, unsere kleinen täglichen Rituale wie unser Morgenspaziergang. Oft reichen diese kleinen Dinge, um mir wieder Trost, Hoffnung und Zuversicht zu geben. Ich bin dankbar, dass mir auch in der Alltäglichkeit der Himmel ausgerissen wird.
Das Lied findet ihr im Gotteslob unter der Nummer 231.
Ich, Marie-Theres, singe gerne das Adventslied „Kündet allen in der Not“ (Gotteslob Nr. 221). Heute spricht mich von diesem Lied die 3. Strophe besonders an. Dort heißt es:
Aus Gestein und Wüstensand werden frische Wasser fließen;
Quellen tränken dürres Land, überreich die Saaten sprießen.
Allen Menschen wird zuteil Gottes Heil.
Zurzeit ist bei mir die Luft raus, ich bin antriebsarm und lustlos. Ich erlebe mich wie in einer Wüste, ausgetrocknet und dürr. Da fehlt mir gerade das frische, belebende Wasser.
In den Zeilen des Adventsliedes lese ich eine Verheißung: Es werden frische Wasser fließen, und Quellen tränken dürres Land. Auch wenn ich gerade nichts davon spüre, können mich diese Worte aufbauen. Ich habe in meinem Leben schon oft die Erfahrung gemacht, dass aus einer dürren Zeit wieder eine lebendige, fruchtbare Zeit wurde. Wenn ich mich daran erinnere, spüre ich einen Hoffnungsschimmer, der mich aufatmen lässt. Manchmal muss ich die dürre Zeit auch einfach aushalten und annehmen und darauf vertrauen, dass es wieder bessere Zeiten gibt. Vieles kann ich nicht selber machen, Gott selber schenkt das Heil – mir, dir, allen Menschen. Diese Zusage gibt mir Trost und Zuversicht. Jetzt, wenn mir dieses bewusst wird, spüre ich schon eine Ahnung einer kleinen sprudelnden Quelle in mir, und ich fühle mich dankbar und bestärkt. Der Dialog ist für mich solch eine Quelle.
Nun laden wir euch ein zum Dialog und schlagen euch dazu folgende zu Frage vor:
Welches Adventslied spricht mich besonders an? Welche Gedanken und Gefühle bewegen mich dabei? Wfim, wenn ich dir das schreibe?
Wir wünschen euch einen gesegneten 2. Adventssonntag.
Herzlich Shalom,
Marie-Theres und Uwe
