Die Adventszeit ist nicht nur Wartezeit, sondern auch die Zeit der Wünsche. Wunschzettel werden geschrieben, Wünsche werden ausgetauscht und hoffen auf Erfüllung.
In dieser besinnlichen Zeit haben sich bei uns die Novembergedanken und -gefühle fortgesetzt. Bedingt durch einige Arztbesuche und sich hinauszögernden Diagnosen kann das Gedankenkarussell schon einmal Fahrt aufnehmen. Beim Nachsinnen über die eigene Endlichkeit kommen Wünsche an die Oberfläche, die man sich irgendwann einmal erfüllen wollte, aber noch nicht dazu gekommen ist. Neudeutsch heißt das Bucket List. Eine Bucket List ist eine Sammlung von Zielen, Träumen und Erlebnissen, die man in seinem Leben erreichen möchte. Sie dient dazu, das Leben bewusster und zielgerichteter zu gestalten.
Hans-Dieter und ich haben eine solche Bucket List nicht. Was wir aber schon seit Jahren machen wollten, ist in eine Oper zu gehen. Musicals und Operetten haben wir schon viele besucht, aber zu einem Opernbesuch ist es bisher noch nicht gekommen. Meine (Brigitte) Vorstellung von Opernbesuch war bisher immer eng verknüpft mit einem Abend mindestens in der Semperoper. Lieber natürlich noch in Mailand. Da wir aber in unseren Reiseaktivitäten nie wirklich aus unserer Komfortzone herauskommen, hat sich das noch nicht ergeben.
Angesichts nicht gestellter endgültiger Diagnosen und langen Wartezeiten kommt man ins Grübeln. Und so haben wir beschlossen, den Opernbesuch nicht mehr auf die lange Bank zu schieben und uns kurzentschlossen das Theaterprogramm aus Osnabrück angesehen. Osnabrück ist seit unserem Umzug nach Niedersachsen die nächste Großstadt.
Im Programm haben wir dann den „Fliegenden Holländer“ entdeckt, der in der Adventszeit gespielt wird. Ohne lange nachzudenken haben wir uns zwei Karten gekauft und gleich ein Hotelzimmer in der Nähe des Theaters gebucht. Als wir am Tag der Aufführung das schnuckelige Zimmer im Romantikhotel bezogen haben, waren wir total erfreut, direkt von unserem Zimmerfenster aus den Weihnachtsmann zu sehen und einen perfekten Blick auf den Weihnachtsmarkt und die Marienkirche zu haben.
Der Theaterabend war wunderschön und die Oper hat uns sehr gut gefallen. Das Theater in Osnabrück ist ein total schönes Haus und von unseren Plätzen aus hatten wir eine optimale Sicht auf die Bühne. Dass wir anschließend nicht im Dunkeln noch eine Stunde fahren mussten, sondern uns gleich in das gemütliche Hotelzimmer begeben konnten, war total angenehm.
Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel haben wir uns noch das Rathaus und den Dom angesehen und sind dann zum Abschlussgespräch ins Klinikum gefahren, wo uns der behandelnde Arzt Entwarnung geben konnte. Total erleichtert haben wir uns danach noch einen Kaffee in einer Osnabrücker Kaffeerösterei gegönnt und sind dann voller Freude nach Hause gefahren.
Wir haben uns vorgenommen, keinen Wunsch mehr auf die lange Bank zu schieben, sondern zuzusehen, dass wir uns unsere Wünsche zeitnah erfüllen können. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, heißt es in einem bekannten Lied. Und auf was sollen wir warten? Für uns gibt es kein Später mehr. Unser Später ist jetzt.
Wir laden euch zu folgender Dialogfrage ein:
Gibt es etwas, das ich / wir schon lange machen wollten?
Was hindert mich / uns daran, es einfach zu tun? Wfim, wenn ich dazu schreibe?
Mit adventlichen Grüßen
Brigitte und Hans-Dieter
