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Foto: © Silke Bährens
„Das Leben besteht darin, dass man mit dem Unvorhergesehenen fertig werden muss.“
(John Steinbeck)
Dieses Zitat habe ich, Silke, in der Zeitschrift Magnificat gefunden. Es hat mich sofort angesprochen und vielleicht hilft es Dir ja bei der Einstimmung auf die Weihnachtstage.
Im Hinblick auf das Weihnachtsfest habe ich bestimmte Vorstellungen, was wie genau zu sein hat. Und dann gibt es noch die Vorstellungen der Mitfeiernden, wie Weihnachten sein soll. Da prallen manchmal Welten aufeinander. Es besteht die Möglichkeit, dass Unvorhergesehenes geschieht. Und das kann, aber muss nicht immer, schön sein. Da hilft mir nur viel Humor und Gelassenheit. Ich freue mich auch über meine Rückzugsmöglichkeiten oder die Zeiten nur mit Rolf allein.
Im Alltag mute ich Rolf oft viel an Spontanität zu. Das gebe ich zu. Ich habe zu oft zu viele Dinge gleichzeitig im Kopf. Wenn ich etwas brauche oder möchte, muss dies meistens aus meiner Sicht sofort geschehen. Ich bitte ihn, seine Beschäftigung sofort zu unterbrechen. Im Nachhinein habe ich oft ein schlechtes Gewissen, weil ich zu viel von ihm gefordert habe.
Gleichzeitig liebe ich aber auch das Unvorhergesehene im Alltag. Wenn ich mit dem Rad in der Stadt unterwegs bin, freue ich mich, wenn ich zufälligerweise Freunde oder Bekannte treffe. Ich halte gerne an und nehme mir Zeit für ein Gespräch. Im Büro gibt es lauter Unvorhergesehenes. Jeder Anruf oder jede Mail zwingt mich spontan zu reagieren.
Manchmal bin ich aber auch nur glücklich und zufrieden, wenn Dinge wie geplant laufen. Wenn ich mich auf eine Verabredung lange gefreut habe, bin ich schnell traurig und enttäuscht, wenn die andere Person das Treffen kurzfristig absagt, auch wenn ich die Gründe nachvollziehen kann.
Ich, Rolf, arbeite gern strukturiert. Ich versuche so zu planen, dass auch Unvorhergesehenes meinen Plan nicht völlig zu Nichte macht. Das ist nicht immer einfach. Meistens reichen genügend Zeitpuffer für Unvorhergesehenes, um den Plan sicher zu Ende zu führen. Wenn ich, wie diese Woche erst geschehen, unvorhergesehen für einige Tage wegen Krankheit ausfalle, wirft mich das schon kurzfristig aus der Bahn. Ich fühle mich unwohl und unsicher, was ich jetzt als Nächstes unbedingt tun muss. Wenn zu viele Dinge gleichzeitig auf mich einprasseln werde ich panisch. Die Prioritäten richtig zu setzen, fällt mir schwer. Erst nach einigen Tagen schwingt sich dann mit einer überarbeiteten Planung mein Alltag wieder ein in eine gewisse Balance. Und ich erlange meine Ausgeglichenheit wieder.
Auf Überraschungen von Silke habe ich mich mit den Jahren eingestellt. Am Anfang unserer Beziehung fiel es mir schwerer damit umzugehen. Ich konnte unwirsch werden, wenn ich meine Dinge nicht so wie von mir angedacht umsetzen konnte. Ich war enttäuscht, dass Silke meine Pläne durchkreuzte, und ich war traurig, meine mir gesteckten Ziele nicht zu erreichen. Inzwischen habe ich gelernt mir nicht zu viele eigene Ziele zu setzen. Wenn Silke dann meine Aufmerksamkeit einfordert, versuche ich mich dann für sie bzw. für unsere Gemeinschaft zu entscheiden. Ich mache ihre Ziele ein Stück weit zu meinen Zielen. So können wir gemeinsam viel Freude erleben. Und so manches Mal kann ich mich auch über Überraschungen freuen, weil sie nur von Silke erdacht wurden, um mir ihre Zuneigung zu mir zu zeigen.
Wir laden zum Austausch zu folgenden Fragen ein:
- Ich schlüpfe in die Situation der Maria. Wie hätte ich reagiert bzw. was hätte ich gefühlt, wenn ein Engel mich besucht hätte, um mir eine Nachricht von Gott zu überbringen?
- Was ist heute an Unvorhergesehenem in meinem Leben eingetreten? Wie konnte ich damit umgehen? Was hat oder hätte mir geholfen? WFIM, wenn ich dir das schreibe?
- WFIM, wenn ich an das bevorstehende Weihnachtsfest denke? Was sind meine Vorstellungen? WFIM bei dem Gedanken, dass unvorhergesehene Dinge geschehen? Was hilft mir locker und entspannt zu bleiben? Welche Gefühle steigen beim Schreiben in mir hoch?
- In welchen Situationen fordere ich die Spontanität meiner Mitmenschen, meines Partners, meiner Partnerin ein? WFIM in der Situation? Beschreibe deine Gefühle möglichst genau.
Wir wünschen Euch und Euren Lieben ein gesegnetes und friedliches Weihnachtsfest! Silke und Rolf |