Marriage Encounter Deutschland und Schweiz Liebt einander, wie ich euch geliebt habe - Joh 13, 34

Donnerstag, 25. März 2021

Wir wünschen Euch ein gutes Miteinander und
Zeit für die Fragen am Morgen:

Guten Morgen! :-)
Wie hast Du geschlafen?

Was klingt von gestern noch bei Dir nach?
Wie geht es Dir heute morgen?

Perspektivwechsel

Kreuzweg von Jacques Gassmann                        Fotos: Ursula Krupp

Mit den Augen Jesu schauen – diesen Perspektivwechsel der Blickrichtung hat der Künstler Jacques Gassmann in der Würzburger Augustinerkirche auf radikale Weise umgesetzt. Sein Kreuzweg lässt uns nicht von außen auf das blicken, was Jesus erleiden muss, sondern zeigt, was Jesus wohl selbst auf seinem letzten Weg wahrgenommen haben mag, was er an den einzelnen Stationen wohl gesehen hat.

Entsprechend ist der Kreuzweg auf die 12 Stationen beschränkt, in denen der noch lebende Jesus vorkommt. Statt dass ich also auf die Ereignisse der einzelnen Stationen schaue, schlüpfe ich unmittelbar selbst in seine Rolle. Ich denke ihn neben mir, wie er nicht nur seinen, sondern auch meinen Kreuzweg geht. Weil er Mensch wurde und unseren Blickwinkel geteilt hat, können auch wir versuchen, uns in ihn hineinzuversetzen, um ihm so nahezukommen.

Wir haben zwei der 12 Stationen ausgewählt: die 5.: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen (Gassmann nennt sie: Unterstützung) und die 8.: Jesus begegnet den weinenden Frauen (Gassmann nennt sie: Ohnmacht). Bei beiden Stationen kann ich gut auf mein eigenes Leben schauen.

Bei der 5. Station frage ich mich, wer mir in meinem Leben für eine gewisse Strecke meines Lebensweges solch mittragende Unterstützung geleistet hat. Ich, Friedhelm, denke dabei z.B. an den damaligen Leiter der Lehrerfortbildung im Bistum Münster, der mir vor über 25 Jahren durch die damals noch ganz neuen Familienaufstellungen nach Bert Helliger half, ein altes, mich lange belastendes Trauma aus meiner Herkunftsfamilie aufzuarbeiten und zu tragen. 

Ich denke an das Personal des Heilpädagogischen Heimes in Kevelaer, dass mir so gut half, meine jahrzehntelangen Belastungen als Vormund und Betreuer meines geistig schwerst behinderten Bruders zu tragen. Und ich denke auch an meine Schwiegereltern, die mir finanziell ganz erheblich durch die schwere Anfangszeit unserer Ehe halfen, als Studenten ohne Einkommen, aber mit einem Kind, bis zum Studienabschluss und bis zur Einstellung.

Und die 8. Station richtet meinen Blick auf die Menschen am Rande meines Lebensweges, die für mich da sind, auch wenn sie nicht direkt eingreifen können. Für mich, Ursula, waren es drei Priester, die besonders meinen Weg begleitet haben. Schon vor ME hat ein Augustinerpater aus unserer Gemeinde durch sein intensives Zuhören mir häufig geholfen, meinen Weg zu finden. Er gab mir keine Ratschläge. Er war eher ein Geburtshelfer, so dass ich wieder zuversichtlich ins Leben schauen konnte.

Als ich vor vielen Jahren in eine Depression fiel, war P. Bernd Kordes der einzige Mensch, der nicht nach dem Warum fragte, sondern mir Mut machte. Er war ein hilfreicher Begleitet durch diese schwierige Lebensphase, indem er mir immer wieder sagte: „Hab Vertrauen, du kommst stärker aus der Depression heraus als du reingefallen bist.“

Der dritte Priester war P. Kajetan, der mir in den Exerzitien mit seinen Bibelauslegungen half, das Bild eines alles kontrollierenden und strafenden Gottes zu überwinden und so zum Glauben an einen liebenden und barmherzigen Gott zu finden. Besonders hat mich seine Auslegung des Gleichnisses vom „barmherzigen Vater“ berührt, ich kannte es bis dahin als das vom „verlorenen Sohn“. In vielen Gesprächen konnte ich mit P. Kajetan über meinen Ärger und meine Hilflosigkeit in Bezug auf meine mich sehr einengende Mutter austauschen. Dadurch half er mir, mich mit meinen schweren Gefühlen nicht zu verurteilen.

Wenn ich an diese drei Priester denke, lebt in mir eine große Dankbarkeit. Sie haben mir geholfen, durch die Kirche erlittene  Verletzungen abzulegen und sie aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

Für den Dialog schlagen wir vor:

  • Wer hat mir für eine gewisse Strecke meines Lebensweges solch mittragende Unterstützung geleistet? Wfim wenn ich dir davon mitteile?
    oder:
  • Wer war an meinem Lebensweg für mich da und hat mir dadurch weiter geholfen? Wfim wenn ich dir davon mitteile?

Wir grüßen euch herzlich mit unserem Schalom
Ursula & Friedhelm

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