Marriage Encounter Deutschland und Schweiz Liebt einander, wie ich euch geliebt habe - Joh 13, 34

Samstag, 27. März 2021

Wir wünschen Euch ein gutes Miteinander und
Zeit für die Fragen am Morgen:

Guten Morgen! :-)
Wie hast Du geschlafen?

Was klingt von gestern noch bei Dir nach?
Wie geht es Dir heute morgen?

Jesus vor Pilatus

Bild: © Charlotte Zierau: Jesus vor Pilatus

Wie fühle ich mich, wenn jemand mit dem Finger auf mich zeigt (mich beschuldigt, anklagt, „vorführt“)?

Martin:
Als ich vor einem Jahr im März noch ein Kollegentreffen in Präsenz vereinbaren wollte, hat mich ein Kollege per Mail angegriffen. Spontan spüre ich wieder den Ärger, wenn ich an diese Situation denke. Ich habe das Bedürfnis, mich zu rechtfertigen: meine Motivation war doch aus Nettigkeit entstanden, und jetzt bekam ich den Vorwurf der Unverantwortlichkeit und Profilierungssucht – und alle KollegInnen waren im Verteiler dieser Mail.

Ich war frustriert und verärgert und wollte mich komplett aus dem Kollegenkreis zurückziehen.

Geholfen hat mir, dass ich mit Dir darüber austauschen konnte und mit etwas Zeit sehen konnte, dass der Kollege auch gestresst war. Sein Angriff war auch nur Ausdruck seiner Überforderung und Unsicherheit. Das hilft mir, es weniger persönlich zu nehmen, mein Ärger verraucht schneller. Hier sehe ich Parallelen zum Beispiel Jesu: er hegt auch keinen Groll seinen Anklägern gegenüber. Er wird nicht persönlich, kämpft nicht, rechtfertigt sich nicht – er sieht, dass Pilatus, sein Ankläger, ein ganz eigenes Problem hat.

Wenn ich Dir das schreibe, spüre ich jetzt Ruhe und Frieden in mir. Das passt zu den Zeugnissen der Menschen aus dem Film gestern, die Frieden in der Vergebung und im Loslassen finden („Das größte Geschenk“ von Juan Manuel Cotelo).

Charlotte:
Als eins unserer Kinder mir neulich vorhielt, ich sei in der Nacht, als Dein Vater starb, lieblos gewesen und habe etwas Verletzendes gesagt, war ich tief getroffen. Mein spontanes stärkstes Gefühl war Ärger. Denn ich konnte mich an die Situation gar nicht erinnern. Diese Nacht, in der wir alle dünnhäutig und durcheinander waren, liegt über sechs Jahre zurück.

Es war mir klar, dass es nicht angebracht ist, die Erinnerung unseres Kindes in Frage zu stellen und mich zu rechtfertigen. Mit etwas Abstand kann ich auch sehen, wie gut und stark es von unserem Kind ist, die Verletzung nach Jahren anzusprechen, statt sie in sich hinein zu fressen.

Ich habe direkt um Verzeihung gebeten. Aber es hat mich viel Kraft gekostet. Ärger spielt immer eine Rolle, wenn mich jemand anklagt.

Wenn ich Dir das heute schreibe, ist kein Ärger mehr in mir. Ich spüre noch Traurigkeit über die ganze Situation. Danke, dass ich meine Gefühle mit Dir teilen darf.

Dialogvorschlag:
Wie fühle ich mich, wenn jemand mit dem Finger auf mich zeigt (mich beschuldigt, anklagt, „vorführt“)?

Herzliche Grüße und Schalom
Charlotte Zierau & Martin Beck

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