Gründonnerstag

 

Heute ist Gründonnerstag.
Wir hören bzw. lesen in diesem Jahr die Erzählung vom letzten Abendmahl (Johannes 13).

Händewaschung - Gründonnerstag

Jesus sitzt mit seinen Jüngern zu Tisch. Er weiß, er ahnt, was auf ihn zukommt. Er ist sich bewusst: dies ist mein Abschied, dies ist mein Testament. Sein Testament, das ist ein Zeichen der Liebe, ein Zeichen des Dienens.

Und so wäscht Jesus seinen Jüngern die Füße. Und was macht Petrus, der „beste Jünger von allen“? Er weist Jesu Liebe zurück: Du, Herr, willst mir die Füße waschen? Niemals sollst du mir die Füße waschen! Petrus kann diese Geste der Liebe nicht annehmen. Er will sich nicht mit Haut und Haaren, mit Händen und Füßen auf die Liebe Jesu einlassen: soviel Liebe, soviel Nähe halte ich nicht aus!

Sich lieben zu lassen, das ist viel schwerer als zu lieben! Gerne gebe ich Hilfe, aber lasse ich mir gerne helfen? Gerne suche ich ein Geschenk aus, aber lasse ich mich gerne beschenken? Hilfe und Geschenke werden gerne bei der nächsten Gelegenheit aufgerechnet: „dann bin ich niemandem mehr etwas schuldig.“

Aber so funktioniert die Liebe nicht. Die Liebe rechnet nicht auf, weil der Liebende gerne schenkt, gerne hilft, seine Liebe zeigt. Und das ist eine Herausforderung: Annehmen, was mir geschenkt wird, von meinem Mann, meiner Familie, meinen Eltern und von Gott. Annehmen, was ich nicht verdient habe und was ich nicht mehr wiedergeben kann. Annehmen, dass ich gemeint bin, nicht als ein Teil einer Masse, sondern ich ganz persönlich.

Das ist nicht einfach, aber dem nachzuspüren ist vielleicht die Chance, die dieser ungewöhnliche Gründonnerstag uns bietet. Die Liebe Jesu und damit Gottes Liebe zu uns ist ganz persönlich. Und weil jeder von uns einmalig ist, gibt es viele verschiedene Zeichen von Jesu Liebe: die Fußwaschung, das Brechen des Brotes, die Heilung, die Speisung, das richtige Wort. Es liegt an mir, sie anzunehmen oder abzuweisen. Er schenkt sie.

Das kann anregen zum Nachdenken oder zum Gespräch über folgende
Fragen:
Mich lieben zu lassen ist eine größere Herausforderung als zu lieben.
Ich spüre dem nach: was bedeutet das für mich in unserer Beziehung?
Was bedeutet das für mich in der Beziehung zu Gott?
Was mag ich dir davon erzählen?

Wir wünschen Euch einen gesegneten Gründonnerstag
Marianne & Paul

Bild: Birsens