Foto: © Silke Bährens
Vor kurzem hatte ich, Silke, ein Gespräch mit einer Witwe. Wir kamen darüber ins Gespräch, welche Fragen sie gerade bewegen. Da tauchte die Redewendung „Um des lieben Friedens willen“ auf. Sie erzählte, dass Sie, um nicht Freunde oder Familie vor dem Kopf zu stoßen und aus Angst vor Einsamkeit, viele Dinge mache oder nicht mache, „um des lieben Friedens willen“. Dies stimmte mich nachdenklich. Sofort war die Idee eines Impulses geboren.
In wenigen Wochen ist Weihnachten. Wir verbringen die Tage in der Familie oder mit Freunden. Weihnachten ist immer voller ausgesprochener, aber auch unausgesprochener Ansprüche, Erwartungen und Emotionen. Und die Vorstellungen der einzelnen Personen sind nicht immer deckungsgleich. Weihnachten ist für uns häufig eine große emotionale Herausforderung. Es soll doch alles schön und harmonisch sein.
Aber dies gilt nicht nur für Weihnachten, sondern auch für alle Zeiten im Jahr. Gerade für Alleinstehende ist es nochmal schwieriger. Wie sieht es in unseren Freundschaften und anderen Beziehungen aus? Es gibt nie ein richtig oder falsch im Tun oder Lassen. Auch ist uns bewusst, dass ich mich nie immer ganz mit meinen Wünschen durchsetzen kann. In unseren Beziehungen geht es darum, einen guten Weg miteinander zu finden.
Besinnungsfrage: Wir laden Euch ein, Euch ein paar kurze Notizen zu folgenden Fragen zu machen:
- Wie weit bin ich bereit, mich zurückzunehmen aus Liebe oder anderen Gründen?
- Was sind meine Grenzen der Rücksichtnahme?
- Was bin ich bereit, um des lieben Friedens willen zu machen oder zu lassen?
- Wovor habe ich Angst, wenn ich meine Bedürfnisse äußere?
Schreibt kurze Beispiele auf.
Wenn ich, Silke, an das letzte Weihnachtsfest 2023 denke, bin ich stolz, wie gut Rolf und ich die Rolle des Gastgebers gefüllt haben. Nachdem das Weihnachtsfest davor mit den gleichen Parteien eine ziemliche Katastrophe war, wollten wir es letztes Jahr besser machen. Anstatt dass wir drei Parteien aus unterschiedlichen Ecken Deutschlands eine Ferienwohnung anmieteten, luden wir Rolfs Mutter mit Partner und Rolfs Schwester mit Familie nach Berlin ein. Unsere Gäste schliefen in einem kleinen Hotel ganz in der Nähe und die Hauptfeierlichkeiten fanden bei uns in der Wohnung statt. Wir entschieden uns bewusst, die Hauptverantwortung zu übernehmen, uns in den Dienst der Familie zu stellen und unsere Bedürfnisse ein Stück weit zurück zu stellen. So konnten wir Rolfs Mutter erfolgreich den Druck der Hauptverantwortung nehmen. Wir kümmerten uns um alle Einkäufe und wussten diesmal genau welche Küchenausstattung uns zur Verfügung stand. Die größten Konfliktpunkte versuchten wir zu entschärfen. Wir besprachen mit den Parteien deren Wünsche schon im Vorfeld, verteilten die Arbeiten an den Weihnachtstagen, so dass die Tage einen Rahmen hatten. So konnten wir alles in Ruhe vorbereiten. Das größte Kompliment kam von Rolfs Mutter am Ende der gemeinsamen Tage. Sie bedankte sich, wie schön alles war und wie wenig sie selber machen musste.
Mir war es wichtig, allen ein möglichst schönes Fest zu bereiten. So konnte ich mich mit meinen Wünschen und Bedürfnissen gut, gerne und mit Liebe ein Stück weit zurück nehmen. Gleichzeitig hatte ich als Organisatorin auch viel Gestaltungsraum und Freiheit. Ich war sehr stolz und dankbar, wie gut wir alles geschafft haben.
Es gibt aber auch Situationen, in der mir die Rücksichtnahme um des lieben Friedens willen nicht gelingt. Ich darf Grenzen setzen. Die Frage ist nur, wie ich dies kommuniziere. Ich gebe zu, dass ich in dem Bereich noch viel Luft nach oben habe.
Ich, Rolf, bin sehr harmoniebedürftig. Ich gehe um des lieben Friedens Willen Konflikten gern aus dem Weg. Mir ist da als Beispiel der Richter im Lukas-Evangelium in den Sinn gekommen. Er setzt sich für das Recht der Witwe ein, damit er seine Ruhe wieder bekommt. Häufig schaffe ich es mit ein wenig Humor eine Situation zu entschärfen und wieder Ruhe einkehren zu lassen. In einem ruhigen Ton lassen sich dann viele Dinge leichter besprechen.
Doch ich habe gelernt, dass ich nicht jedem Konflikt aus dem Weg gehen kann. Es gibt Ziele für die es sich lohnt sich einzusetzen. Und auch ich habe Bedürfnisse, die ich beachten muss. Wenn ich meine Bedürfnisse zu lange ignoriere, kann es passieren, dass ich irgendwann auch explodiere. So versuche ich meine Bedürfnisse klar zu sehen und zu kommunizieren. Für mein Gegenüber ist es dann oft leichter mich zu verstehen und sich auf mich einzulassen. Wenn Silke etwas vorschlägt, z. B. eine Radtour, komme ich häufig gern mit. Manchmal komme ich mit, obwohl ich keine Lust habe, aber mir das zusammen sein mit Silke wichtig ist. Aber wenn ich absolut keine Lust habe, komme ich heutzutage nicht mehr mit. Silke hat in der Regel dafür Verständnis und hinterher ist es dann wahrscheinlich deutlich friedlicher zwischen uns als wenn ich mürrisch mitgefahren wäre.
Wir laden Euch zum Dialog zu folgenden Fragen ein:
- Ich denke an eine konkrete Situation, in der ich mich um des lieben Friedens willen zurückgenommen habe und beschreibe sie dir kurz. Wie habe ich mich damals gefühlt? Wie fühle ich mich, wenn ich heute auf die Situation schaue?
- Ich schaue auf das anstehende Weihnachtsfest. Welche Gefühle habe ich? Was bin ich bereit, um des lieben Friedens willen zu machen oder zu lassen? WFIM, wenn ich dir das heute schreibe?
- Ich schaue auf eine Situation in einer mir wichtigen Beziehung. Was mache oder lasse ich dort um des lieben Frieden willen? Wovor habe ich Angst? Was beschäftigt mich?
Wir wünschen Euch einen schönen 2. Advent.
Liebe Grüße aus Berlin-Spandau Silke Bährens und Rolf Schudlich |