Quelle: Bild: Christiane Raabe In: Pfarrbriefservice.de
Einführung Worin unterscheidet sich der Atheist von jemandem, der an Gott glaubt?
Der Atheist hat nur eine Sichtweise. Etwas vereinfacht formuliert: Alles, was existiert, ist eben wie es ist.
Der Gläubige bezieht in sein Weltverständnis Gott ein: Gott hat alles erschaffen und alles geht in jedem Augenblick neu aus Seinen Händen hervor. „Gott“ ist aller Wirklichkeit immanent, d.h. Er ist das Innerste von allem, was es gibt, also auch von mir. Zugleich ist Er als Wesen und in Seiner Wesenheit jenseits aller menschlichen Vorstellung. Zudem ist Er ein personales Wesen, eine Person. Das bedeutet: Er ist mir ein Gegenüber und ich kann Ihn als Person ansprechen.
Wahrnehmungsübung Bitte setze Dich so hin, dass Du es 10 Minuten gut aushalten kannst. Es kann auch auf einem Stuhl aufrecht sitzend sein, die Hände ineinander oder auf die Oberschenkel gelegt.
Nimm Dich nun in Deinem Leib 10 Minuten lang wahr, von den Füßen bis zum Kopf. Nimm Dich einfach wahr, wie Du bist, Du brauchst im Moment nichts zu verändern.
Nachdem Du Dich ein erstes Mal so wahrgenommen hast, nimm Dich ein zweites Mal wahr. Stell Dir dabei vor, dass Gott Dir – wie Du da sitzt – liebevoll zuschaut, womöglich etwas sagt oder etwas tut.
Kurzer Austausch: Wie habe ich das erlebt?
Alle Situationen meines Lebens (und der gesamten Wirklichkeit) kann ich unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten.
Dazu fällt mir ein Ereignis meiner Kindheit ein. Es muss Sommer 1944 gewesen sein, ich war ca. 4 Jahre alt.
Mutter und ich gingen auf dem Fußweg einer großen Allee, die von Danzig nach Langfuhr führt. In ihrer Mitte verläuft eine Straßenbahnlinie, links und rechts je eine breite Fahrstraße, am Rand breite Bürgersteige, mit alten Bäumen bestanden. Wir gingen gerade auf der linken Seite der Straße auf dem Bürgersteig, als uns eine marschierende Kolonne in 6-er Reihen entgegenkam. Es waren Deutsche in Arbeitskleidung, geführt und begleitet von bewaffneten russischen Soldaten. Als Mutter ihrer gewahr wurde, stellte sie sich mit mir rasch hinter einen großen Baum. Die Kolonne zog vorbei, anscheinend ohne uns zu bemerken. So waren wir der Gefahr entronnen, dass Mutter gleich zu dem Arbeitseinsatz mitgenommen wurde.
Ich stelle mir vor, dass Gott diese Situation von Seiner Warte aus sah, auch Mutters Angst wahrnahm, „aufgesammelt“, abgeführt und von mir getrennt zu werden oder dass sonst etwas Schlimmes passieren könnte. Vielleicht haben auch mein in Russland gefallener Vater und einige Schutzengel ihre Hände dazwischen gehalten, so dass wir unbehelligt blieben.
Wenn ich das schreibe, spüre ich noch etwas von der Angst, die ich damals wohl gehabt habe, merke einen Schauer, der mich durchfährt bei dem Gedanken, was alles hätte passieren können und was mein Schicksal dann gewesen wäre; fühle Erleichterung, dass keine Katastrophe eingetreten ist, bin dankbar für den glücklichen Ausgang.
Dialogfrage Erinnere Dich an eine Situation Deines Lebens, beschreibe sie kurz. Beobachte nun dieselbe Situation mit den Augen eines anderen Menschen. Oder: Beobachte nun dieselbe Situation mit den Augen Gottes. Wfim beim Schreiben?
Herzlich Shalom Pater Martin, Münsterschwarzach |