Foto: © Marianne und Paul
Heute möchten wir Euch zu einem sehr herausfordernden Thema einladen:
Sterben und Tod.
Im Kurs Zeit für die Liebe, dem Basis-Kurs, fragen wir uns: Wie fühle ich mich, wenn ich daran denke, dass wir eines Tages durch den Tod getrennt werden? Dabei schauen wir auf die Gefühle von Trauer in der Situation des Abschieds und auf den Schmerz des Weiterlebens ohne den anderen.
Sehr selten schauen wir auf unser eigenes Bild davon, was denn im Moment des Sterbens passiert. Wie stelle ich mir den Moment des Sterbens vor? Was passiert, was nehme ich wahr, wo gehe ich hin? Ich kenne diese Übungen aus Seminaren zur Trauerpastoral und es ist immer ein sehr berührender, fast intimer Moment (auch mit fremden Menschen), diese Gedanken und Gefühle miteinander auszutauschen. Diese Übung, aber auch die Erfahrung einiger Sterbefälle in unserem Umfeld haben uns angeregt, über unsere Vorstellung von dem Moment des Todes auszutauschen.
Ich, Marianne, stelle mir den Moment des Todes als einen Moment großer Freiheit vor. Alles, was mich hält, alle Sorgen und Mühe, aber auch alle Liebe und Nähe löst sich und ich bin frei, frei in die Welt Gottes zu gehen – in meinem Bild: zu fliegen. Nichts hält mich mehr fest und auch ich möchte nichts mehr festhalten.
In einem Psalm habe ich einen schönen Ausdruck dafür gefunden: Ps 124,7 Unsre Seele ist wie ein Vogel dem Netz des Jägers entkommen; das Netz ist zerrissen und wir sind frei. Und weiter heißt es: Unsere Hilfe ist im Namen des HERRN, der Himmel und Erde erschaffen hat (Ps 124,8). Für mich ist das ein sehr schönes Bild, das mich tröstet und ermutigt, wenn ich an mein Sterben denke. Es tröstet mich auch, wenn ich an das Sterben und den Abschied von lieben Menschen denke. Ich weiß sie gut aufgehoben in der Liebe Gottes und frei von allem, was irdisch ist. Dieses Bild gibt mir Zuversicht, Ruhe, Gelassenheit und Frieden.
Wenn ich, Paul, mir den Moment des Todes vor Augen halte, habe ich den Text „Zum Paradies mögen Engel Dich geleiten…“ vor Augen. Ich bin nicht allein auf diesem Übergang in eine mir unbekannte Wirklichkeit. Es ist ein Bild in hellen Farben mit viel Licht, es ist feierlich und würdevoll und ich stelle mir eine bestimmte Interpretation von Orgelmusik dazu vor. Die im Text ausgedrückte Begleitung gibt mir Trost und stärkt mich. In meinem Bild ist Bewegung, ich gehe in eine andere Wirklichkeit. Manchmal empfinde ich beim Gedanken an den Tod und das Sterben eine Leere. Sie ist nicht belastend, auch nicht schwerelos, sie ist eine Offenheit für etwas, das ich nicht kenne, wovon ich keine Vorstellung habe. Das Gefühl ist erwartend, fast neugierig. Ich lasse los und gebe ab, es liegt nicht mehr in meinen Händen und ja, da ist auch die Ängstlichkeit vor diesem Ungewissen.
Unser Gespräch miteinander über die „letzten Dinge“, über das Sterben und den Abschied hat uns viel Nähe geschenkt und ermutigt, auch solche ungewöhnlichen Themen anzusprechen. Es tut uns gut, auch in diesem Bereich umeinander zu wissen.
Vorbereitung auf den Dialog/den Austausch: Statt Notizen zu machen, nehmt Euch 10 Minuten Zeit der Stille, der Meditation: Wie stelle ich mir den Moment des Todes vor? Welches Bild, welches Gefühl nehme ich wahr?
Dialogfrage: Welches Bild verbinde ich mit dem Moment des Sterbens, des Todes? Welche Gefühle nehme ich wahr? Wfim, wenn ich Dir das mitteile?
Wir wünschen Euch einen intensiven Austausch miteinander!
Herzlich Shalom Marianne und Paul |