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Am Montag habe ich mich von Paul verabschiedet, weil ich einige Tage zu einem Kurs gefahren bin. Ich sagte: „… das brauche ich jetzt gerade nicht, ich könnte es auch gut zuhause aushalten. Aber es tut uns auch gut, wenn jeder etwas anderes erlebt.“
Wir haben uns erinnert an einen Impuls im Mut zur Liebe Wochenende, wo wir darauf schauen, wie wir miteinander leben wollen. Dort heißt es: Liebe ist weder Verschmelzung noch Unabhängigkeit.
Die Verschmelzung ist die Versuchung, alles miteinander zu tun und vieles dem anderen zuliebe zu tun. Am Anfang unserer Ehe war das meine (Marianne) große Versuchung. Meine Sprache der Liebe ist die gemeinsame Zeit und ich versuchte, möglichst viel Zeit mit Paul zu verbringen, habe Theater und Besuche bei Freunden und vieles mehr immer für uns beide organisiert.
Ich, Paul, konnte es nicht gut aushalten, wenn Marianne mal was ohne mich unternommen hat. Ich erinnere mich an Besuche von ihren Studienfreunden und merkte meine Eifersucht. Ich hatte die Erwartung, dass es nur noch uns beide geben sollte.
Der andere Pol ist die Unabhängigkeit, wir nennen es auch: der verheiratete Junggeselle. Wir sind zwar miteinander verheiratet, aber jeder macht sein eigenes Programm.
Wir beide haben – auch mit Hilfe von ME – gut gelernt die Balance von Gemeinsamkeit und Eigenständigkeit in unserer Ehe zu finden.
Nun sind wir wieder an einem Punkt, in dem wir die Balance neu finden müssen. Ich, Marianne, bin im Ruhestand und wir haben die gute Erfahrung unserer dreimonatigen Auszeit hinter uns. Drei Monate waren wir gemeinsam auf Reisen und waren de facto Tag und Nacht zusammen. Jeden Tag gab es neue Eindrücke, die wir gemeinsam erleben durften. Mir, Paul, hat das richtig gut getan – wir waren so intensiv zusammen, wie schon lange nicht mehr, diese Zeit war eine wahre Hoch-Zeit!
Nun sortieren wir unseren Alltag wieder neu. Wie geht es mir, Marianne, wenn Paul für mehrere Tag zu seinen Seminaren fährt und ich ohne Berufsverpflichtung zuhause bleibe? Noch ist mir diese Erfahrung relativ fremd und ich probiere aus, was mir gut tut: mein eigenes Programm machen mit Verabredungen und Terminen, die freie Zeit ganz für mich genießen, mit Paul fahren, um die Abende mit ihm zu verbringen? Ich probiere es aus und wir sind im Gespräch und im Austausch miteinander.
Wir haben bereits gute Erfahrungen damit gemacht, wenn Marianne mich zu meinen Aufträgen begleitet. Jeder macht seins und am späten Nachmittag haben wir noch viel gemeinsame Zeit – die wir sonst getrennt gewesen wären.
Wieviel Zeit investiere ich, Marianne, in Aufgaben und Seminare, die uns dann nicht als Paar oder in der Familie zur Verfügung steht? Da habe ich jetzt eine andere Freiheit aber auch eine andere Verantwortung für unserer Beziehung.
Also noch einmal neu Nähe und Eigenständigkeit, Gemeinsamkeit und Distanz ausbalancieren, auch damit unsere Beziehung lebendig bleibt.
Gestern Abend bin ich wieder nach Hause gekommen und habe mich über das herzliche Willkommen und den gemeinsamen Abend gefreut!
Wir laden Euch ein zum Gespräch, Austausch über Eure Balance in der Beziehung:
Wie erlebe ich unsere Balance von Nähe und Eigenständigkeit? Bin ich damit zufrieden? Möchte ich etwas ändern? Wfim, wenn ich Dir das schreibe?
Oder:
Wie erlebe ich unsere Balance von Gemeinsamkeit und Eigenständigkeit? Was wünsche ich mir von Dir (mehr Gemeinsamkeit oder mehr Freiheit)? Wfim, wenn ich Dir das schreibe?
Wir wünschen Euch einen frohen Austausch miteinander! Herzlich Shalom Marianne und Paul |