In der ersten Lesung hören wir am Wochenende einen Abschnitt aus der Apostelgeschichte aus dem Leben der jungen Gemeinde. „Durch die Apostel geschahen viele Wunder und Zeichen. Und alle, die glaubten, waren an demselben Ort und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und teilten davon allen zu, jedem so viel, wie er nötig hatte. Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Lauterkeit des Herzens. Sie lobten Gott und fanden Gunst beim ganzen Volk.“ (Apg 2, 43b-47a)
Gemeinschaft als gelebtes Ideal
Wow, das klingt doch wirklich paradiesisch! Schöner kann man eigentlich nicht beschreiben, wie Gemeinschaft aussehen soll. Keine Eifersucht, kein Streit. Keiner muss Angst haben zu kurz zu kommen. Alle bekommen so viel wie sie nötig haben. Und die gemeinsame Ausrichtung auf Gott hin prägt sie. Am liebsten würde ich, Silke, mich zu der Runde dazu gesellen. Einfach dabei sein und auch anderen berichten, wovon meine Seele brennt.
Kurze Besinnungsfragen:
- Wo hast Du gelebte Gemeinschaft schon einmal erlebt?
- Wie sieht Dein Traum vom Leben in Gemeinschaft aus?
Gemeinschaft erfahren – Erinnerungen, die prägen
Ich, Silke, erinnere mich noch gut an den Besuch bei P. Albert und seinen Mitbrüdern in Chemnitz vor vielen Jahren. Rolf und ich haben eine Woche bei ihm Urlaub gemacht und übernachteten im Jugendhaus neben dem Pfarrhaus. In der Woche verbrachten wir viele Mahlzeiten mit den Brüdern und trafen uns regelmäßig zum Gebet und Gottesdienst. Zwischendurch ergaben sich immer wieder Zeiten zum Austausch. Wir waren aber auch auf uns alleine gestellt und verbrachten Zeit im Paar. Für mich war dies eine der schönsten Wochen meines Lebens. Ich spürte eine starke Verbundenheit im Glauben und Gebet mit den Salesianern. Er war für mich selbstverständlich, dass wir nicht nur mit ihnen aßen, sondern auch zusammen beteten. So stellte ich mir wirklich erfülltes Leben vor. Ich fühlte in der Woche einen tiefen Frieden in mir und war total glücklich.
Gemeinschaft im Alltag leben – unsere Ehe
Für Rolf und mich ist unser gemeinsam gelebter Glaube und das Engagement für andere das Fundament unserer Ehe. Ich bin unendlich dankbar, dass ich mit Rolf zusammen beten kann, ganz selbstverständlich mit ihm sonntags in die Kirche gehe, wir zusammen ins Kloster und zu religiösen Seminaren fahren und wir uns in verschiedenen kirchlichen Bereichen gemeinsam engagieren. Wir helfen uns ansonsten gegenseitig, bestärken uns in unserer Liebe und Verbundenheit und lachen gerne viel. Ich fühle mich glücklich und frei und spüre einen tiefen Frieden in mir. Ich habe den Luxus, diesen Traum von Gemeinschaft im Kleinen leben zu dürfen.
Ich, Rolf, bin auch Gott dankbar dafür, Silke an meiner Seite zu haben. Sie bestärkt mich zu beten. Schön ist es, wenn wir morgens beim Frühstück auch Gott mit einbeziehen.
Gemeinschaft weltweit erleben – Erfahrungen in Taizé
Ich erinnere mich immer wieder gern an unsere Taizé-Aufenthalte. Auch dort gibt es ein Gefühl von großer Gemeinschaft. Alle Jugendlichen und Erwachsenen, die sich in Taizé einfinden, beschäftigen sich mit dem Wort Gottes. Ein Bruder aus Taizé erläutert eine Bibelstelle und gibt Impulse, um darüber nachzudenken. Es gibt drei Gebetszeiten am Tag, wo sich alle in der Kirche treffen. Im Laufe des Tages übernehmen die „Gäste“ verschiedene Dienste. Es wird das Essen bereitet und ausgeteilt, später wird beim Abwasch geholfen. Oder es gibt auch Sonderaufgaben, wie z. B. Toiletten putzen, im Andenkenladen beim Verkauf mithelfen oder es gibt etwas „im Garten“ zu tun. Die Menschen, die aus vielen Ländern der Erde hier zusammenkommen, leben unter einfachen Bedingungen. Aber es ist für alle gesorgt; keiner muss hungern und alle haben ein Dach über dem Kopf. Man begegnet sich auf Augenhöhe und abends kann man sich zusammenfinden, um ein klein wenig „Luxus“ zu genießen (eine Schokolade kaufen, um sie eventuell mit anderen zu teilen, oder ein Glas Wein) und um sich zu unterhalten. Manche spielen auch miteinander oder musizieren. Wieder andere verbringen den Abend in der Kirche. So ähnlich stelle ich mir das Leben in den ersten christlichen Gemeinden vor.
Fragen zum Austausch:
- Wie sieht mein Traum von Gemeinschaft aus? Beschreibe ihn kurz. Wie fühlst Du Dich, wenn Du Dir Deinen Traum bewusst machst?
- Wann durfte ich einen „Traum von Gemeinschaft“ schon mal leben? Beschreibe die Situation. Wie hast Du Dich damals gefühlt? Wie fühlst Du Dich heute, wenn Du dieses schreibst?
Herzliche Grüße aus Berlin-Spandau
Silke Bährens und Rolf Schudlich
© Silke Bährens

