Sommersonnenwende – die große Waage ruht

Heute ist Sommersonnenwende, Sommeranfang, der längste Tag des Jahres.
Alles steht im vollen Grün, die Früchte sind gereift oder reifen noch, es ist warm, und die Tage sind lange hell.

Neben der Freude über die langen Tage und der Leichtigkeit des Sommers kommt bei mir, Uwe, aber auch eine gewisse Melancholie auf, weil die Tage nun wieder kürzer werden, und in mir leben Gedanken des Abschiednehmens und Loslassens.

Genau diese Gedanken werden im Lied „Das Jahr steht auf der Höhe“ aus dem Stammteil des Gotteslobes (Nr. 465) beschrieben. Der evangelische Pfarrer und Lyriker Detlev Block schildert darin in lebendigen Bildern, dass das Jahr auf der Höhe steht und die große Waage ruht. Auch in unserem Leben gibt es ein Auf und Ab, ein Wachsen, Reifen und Vergehen. Aber manchmal ist die Waagschale genau in der Mitte, und wir erleben einen Moment der Ruhe.

In unserer Beziehung gibt es auch immer wieder ein Auf und Ab, aber auch Momente, in denen wir miteinander im Einklang sind, es ausgewogen ist zwischen uns.

Neulich habe ich, Marie-Theres, solch eine Situation erlebt, dass Uwe und ich im Einklang miteinander waren: Wir hatten dieselbe Idee, was wir zum Mittagessen kochen. Da mussten wir schon mal lachen. Und dann waren wir uns auch schnell einig, dass Uwe sich um die Süßkartoffeln kümmert und ich mich um´s Gemüse. Keiner mischte sich in den Bereich des anderen ein, es ging gut Hand in Hand. Zwischen uns war es leicht und unbeschwert, und ich spürte eine starke Harmonie und Verbundenheit mit Uwe, wodurch ich auch innerlich ruhig und zufrieden war. Wir zauberten und genossen zusammen ein köstliches Mahl, von dem ich jetzt noch begeistert bin.

Ich, Uwe, erinnere mich daran, dass wir letztens spontan in einen Biergarten gegangen sind und ein abendliches Getränk genossen haben. Es war angenehm warm, die Sonne schien, und ich fühlte mich leicht. Wir waren gut im Gespräch, konnten aber auch gut miteinander schweigen, ohne dass es eine peinliche Stille war. Es war ein Moment, in dem ich dachte: So kann es bleiben. Es war ein geschenkter Moment, der nicht groß geplant war. Ein Geschenk, das mich zufrieden und dankbar gemacht hat und es auch jetzt noch macht. Wenn ich jetzt darauf schaue, leben in mir Zuversicht und Dankbarkeit. Es braucht gar nicht viel, um solche „Gleichgewichts-Momente“ zu erleben. Nur die Offenheit und das Loslassen.

Wir laden euch ein zum Dialog und schlagen euch folgende Fragen vor:

  • Ich erinnere mich an einen Moment in unserer Beziehung, bei dem ich dachte: „Jetzt ist es gut, so könnte es bleiben.“ Wfim, wenn ich jetzt darauf schaue?
  • Ich erinnere mich an einen Moment in unserer Beziehung, in dem ich ein Ungleichgewicht gespürt habe. Was habe ich konkret vermisst? Wfim, wenn ich dir das schreibe?
  • Welche Gedanken und Gefühle leben in mir zur Sommersonnenwende? Wfim, wenn ich dir das schreibe?
  • Welche Gedanken und Gefühle verbinde ich mit dem Bild der Waage, die stillsteht? Welche Situationen aus meinem Leben fallen mir dazu ein? Wfim, wenn mir dies bewusst wird?

Wir wünschen euch einen guten Start in den Sommer und grüßen euch herzlich mit Shalom,
Marie-Theres und Uwe

Bild: canva

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