Nein, heute ist noch nicht Ostern, es ist erst Karsamstag.
Der stille Tag, der Tag dazwischen.
Gestern: Karfreitag, Jesu Tod am Kreuz. Enttäuschung, Verzweiflung.
Heute: nichts. Wie geht es weiter? Geht es weiter?
Geduld – das „Noch nicht“ aushalten
2000 Jahre später können wir den Karsamstag gut aushalten: wir bereiten uns auf den Ostersonntag vor, mit Festvorbereitung oder einem entspannten Spaziergang.
Noch nicht – das ist in der Bibel eine häufige Zustandsbeschreibung.
Die Israeliten sind noch nicht aus Ägypten befreit, der Sieg über die Feinde ist noch nicht in Sichtweite, Neues sprießt, aber wir sehen es noch nicht.
Geduld und Ungeduld – Gefühle im Alltag
Ich, Marianne, finde den Zustand des „noch nicht“ nur schwer auszuhalten. Wenn es ein klares Enddatum gibt – kein Problem. Aber wenn ich nicht weiß, wie lange der Zustand dauert, dann bin ich schnell ungeduldig oder traurig.
Noch nicht – das erlebe ich manchmal, wenn Paul und ich uns nicht einig sind. Wir müssen eine Entscheidung treffen, aber wir sind uns uneinig. Noch schlimmer für mich: Paul ist zögerlich und lässt mich einfach im Ungewissen. Das ärgert mich, ich werde nervös, ich kann es nicht gut aushalten.
Noch nicht… schon als Kind konnte ich, Paul, es kaum aushalten auf den Moment zu warten, dass die Tür zum Weihnachtszimmer und der Bescherung aufgeht. Heute noch kann ich es nur schwer ertragen, wenn wir gebacken haben, der Kuchen aber erst morgen auf den Tisch kommt. Oder, als wir neue Fahrräder gekauft hatten, aber noch nicht fahren konnten, weil das Wetter uns zu schlecht erschien. Ungeduld ist dabei ein starkes Gefühl. Ich fühle mich ohnmächtig, mir erscheint etwas in Reichweite, kann es aber noch nicht greifen.
Noch nicht – am Karsamstag ist Leere, Perspektivlosigkeit, Ratlosigkeit. Ich kann in solchen Momenten mit mir selbst nichts anfangen, ich werde entweder umtriebig oder versinke in Passivität.
Noch nicht ist noch schwerer erträglich in Situationen, die den ganzen Alltag überschatten. Wir erinnern uns an unsere große Ehekrise – wir beide wollten wieder den Weg zueinander finden, aber es hat lange gedauert, bis wir das erlösende Wort fanden.
Geduld stärken – was helfen kann
Was hilft mir in solch einer Situation? Ich habe mir angewöhnt, auf die guten Erfahrungen zu schauen, die ich in ähnlichen Situationen schon gemacht habe: wie sich manchmal alles schneller als erwartet, geklärt hat.
Oder ich erinnere mich an die guten Erfahrungen von Vertrauen und Nähe zwischen mir und Paul. Ich kann es mir wieder vor Augen stellen, in Erinnerung rufen und spüre dann, wie meine Anspannung und mein Ärger nachlassen.
Diese Erfahrung der Unverfügbarkeit ist biblisch. Biblisch ist auch, dass nicht nur beten und aushalten hilft, sondern das dazu tun, das ich tun kann.
Einen Schritt auf Paul zugehen und nachfragen, wie es ihm geht, auch wenn ich denke, er sollte mich fragen.
Aushalten, dass manche Prozesse in einem Menschen ihre eigene Zeit brauchen – und nicht daran ziehen (Gras wächst nicht schneller, wenn wir daran ziehen), sondern aushalten und mitgehen.
Noch nicht – aber wenn es dann Ostern ist: sich freuen und jubeln über Gottes Gnade, Jesu Auferweckung, die Lösung eines Konfliktes….
Heute noch nicht, aber morgen ist Ostern – Auferstehung.
Das können wir gut erwarten!
Besinnungsfrage:
An welche Situation des „noch nicht“ erinnere ich? Erlebe ich gerade eine Situation des „noch nicht“?
Dialogfrage:
Welche Gedanken und Gefühle bewegen mich in dieser Situation? Wie fühle ich mich, wenn ich Dir das mitteile?
Wir wünschen euch gesegnete und frohe Ostertage!
Herzlich Shalom
Marianne und Paul
Bild: © Marianne & Paul

