„Auf Veränderungen zu hoffen, ohne etwas dafür zu tun, ist wie am Bahnhof zu stehen und auf ein Schiff zu warten.“ (Albert Einstein)
Liebst Du Veränderungen? Bist Du mutig?
Ich, Silke, tue mich mit Veränderungen oft sehr schwer, gerade bei grundlegenden. Seit vielen Jahren bin ich in meinem Team im Büro nicht so richtig glücklich. Ich gerate immer wieder in Konflikte mit meinen Kolleginnen oder rege mich über sie auf. Rolf rät mir schon seit vielen Jahren doch einmal die Stelle zu wechseln, weil ihn meine Erzählungen nerven und belasten. Tief in meinem Herzen weiß ich, dass Rolf recht hat.
Mich hält immer noch die Liebe zu meiner eigentlichen Tätigkeit. Ich möchte gerne für die mir anvertrauten Menschen eine zuverlässige Ansprechpartnerin und Hilfe sein. Ich sehe einen Sinn in meiner Arbeit und liebe meine Verantwortung, Macht, Freiheit, Selbständigkeit im täglichen Arbeitsprozess. Ferner schätze ich an ihr, dass ich am Ende des Tages viele Erfolgserlebnisse in Form von einem großen Stapel erledigter Post habe. Ich hoffe immer noch, dass sich das Verhältnis zu meinen Kolleginnen verbessert. Seit März diesen Jahres verstärkt ein neuer Kollege unser Team, mit dem ich mich sehr gut verstehe. Ich arbeite gerne mit ihm zusammen. Außerdem schätze ich den relativ kurzen Arbeitsweg von nur 11 km und die gute Anbindung von zu Hause aus.
In der Vergangenheit habe ich mir schon mehrfach Stellenanzeigen angeschaut, aber nichts passendes gefunden. Ich traue mir nicht zu, heute eine passende Bewerbung zu schreiben und es technisch hinzubekommen, z. B. die Daten hochzuladen. Ich traue mir nicht zu, mich in einem Bewerbergespräch so zu verkaufen, dass man mich gerne nimmt. Gleichzeitig habe ich Angst vom Regen in die Traufe zu kommen und den Anforderungen an die neue Arbeit nicht genügen zu können. Außerdem habe ich Angst vor Ablehnung. So hoffe ich insgeheim auf das Schiff, dass am Bahnhof vorbeikommt.
Ich, Rolf, mag klare, verlässliche Rahmenbedingungen. Ich bin nicht der Typ, der ständig einen neuen Kick braucht, um sich wohl zu fühlen. Veränderungen um der Veränderung willen sind nicht mein Ding. Dennoch stelle ich mich den Notwendigkeiten und gehe die Themen dann beherzt an, wenn es sein muss. So bin ich in meinem Leben schon mindestens zehnmal umgezogen und hatte mehrere Arbeitgeber. Wenn die Ärzte etwas an der Gesundheit feststellen, versuche ich meine Gewohnheiten und meine Ernährung zu verändern – was mir schwer fällt –, kämpfe für REHA-Maßnahmen und lasse Untersuchungen über mich ergehen, die nach der Papierform auch Risiken bergen.
Eigentlich liebe ich die Konstanz. Mit einer gewissen innerlichen Distanz versuche ich einen ausbalancierten Weg zu gehen. Ich versuche starken Gefühlsschwankungen entgegenzuwirken mit einer inneren Ruhe und Ausgeglichenheit. Routinen im Tagesablauf geben mir Halt. Ich kann mich auch an kleinen Dingen freuen und brauche nicht unbedingt das große Überwältigende. Ich liebe es mit meiner Umwelt im Einklang zu sein. Besonders mutig bin ich nicht, gehe aber Risiken ein, wenn es notwendig ist. Und wenn ich eine Entscheidung getroffen habe, versuche ich sie zielstrebig umzusetzen. So kann ich gelassen, friedlich, geduldig und vertrauensvoll durchs Leben gehen. Eine Portion Neugier bewahrt mich vor Tristesse.
Fragen zum Austausch:
- Ich denke an eine Veränderung, die ich in letzter Zeit vorgenommen habe. Beschreibe die Situation kurz. Wie hast Du Dich vor und wie hast Du Dich nach der Veränderung gefühlt?
- Welche Gefühle löst das Wort „Veränderungen“ bei Dir aus? Beschreibe sie möglichst ausführlich.
Herzliche Grüße aus Berlin-Spandau
Silke Bährens und Rolf Schudlich
Foto: © Silke

