Im letzten Impuls ging es darum, dass und wie wir uns Kindheitsgefühle von Freude und Leichtigkeit in unser heutiges Erwachsenenleben holen können. Ebenso können wir natürlich auch von Gefühlen eingeholt werden, die uns nicht so gut tun und die wir nicht so gerne fühlen möchten. Diese Gefühle holen wir uns nicht freiwillig in unseren Alltag. Wir fallen sozusagen automatisch zurück in diese Gefühle, sobald sie getriggert werden.
Wahrscheinlich kennen das die meisten Paare. Es gibt Situationen oder Themen, in denen immer wieder „der gleiche Film“ abläuft. Es kommt immer und immer wieder zu den gleichen Dialogen, aus denen man schon so oft keinen Ausweg gefunden hat.
Unser ME-Wochenende vor mehr als 30 Jahren hat uns dabei geholfen, mit diesen Situationen anders umzugehen. Trotzdem kommt es manchmal noch vor, dass ich (Brigitte) mich in einem Gefühl wiederfinde, dass mich emotional reagieren lässt, so dass ich sogar unfair oder wütend werde. Inzwischen weiß ich, dass hier eine alte Verletzung, Enttäuschung oder eine andere Erfahrung heilen möchte und die augenblickliche Situation dazu da ist, dass ich dieses Mal anders damit umgehen und meine Sichtweise ändern kann.
Meistens geht es gar nicht um das, was gerade geschieht, sondern um eine Situation, die viel älter ist. Angestoßen durch eine Bemerkung oder eine Handlung von Hans-Dieter meldet sich das ehemals verletzte Kind und macht hier nicht mit, steigt aus, wird wütend oder traurig. Wenn ich mir in diesem Moment bewusst machen kann – was mir immer öfter, aber leider noch nicht immer gelingt -, dass hier wieder das achtjährige Mädchen oder der zwölfjährige Teenager reagiert oder ich mich gerade mit einem sechsjährigen Jungen oder einem dreizehnjährigen Rebellen unterhalte, dann kann ich bewusst auf eine andere Gesprächsebene wechseln. Wenn ich mir jetzt bewusst machen kann, dass es gar nicht um das geht, was hier gerade läuft, sondern dass mir auf einer Leinwand ein alter Film serviert wird, dann ist Veränderung möglich.
An dem Punkt ist es wichtig, dass ich mich daran erinnere, wann ich dieses Gefühl das erste Mal gefühlt habe und diese Situation benenne. Ich erkenne, dass ich nicht mehr das hilflose Kind bin, sondern dass ich als erwachsene Person eine Entscheidung treffen kann, die diesen Film sofort beendet. Ich kann spüren, dass ich nicht mehr in der alten Situation stecke, sondern hier und heute in meinem Alltag, den ich mir selbst geschaffen habe und den ich so gestalten kann, wie es für mich gut ist. Die belastenden Gefühle können gehen und Dankbarkeit kann an deren Stelle fließen. Mein Gegenüber hat mir geholfen, ein Stück zu wachsen und aus alten Gefühlen herauszukommen.
Wir laden Euch ein, Euch auf eine Reise in die Vergangenheit zu machen und zu folgenden Überlegungen auszutauschen:
Gibt es ein Gefühl, dass immer wieder getriggert wird und bei dem ich mich hilflos fühle? Wann habe ich dieses Gefühl das erste Mal gefühlt? Wie alt war ich da und wer hat dieses Gefühl in mir ausgelöst? Wie würde ich heute als erwachsene Person in dieser Situation reagieren? Wfim, wenn ich dir davon schreibe?
Wir wünschen Euch tiefe und befreiende Erkenntnisse
Brigitte und Hans-Dieter
Foto: © Brigitte und Hans-Dieter

