„Manchmal ist die beste Antwort auf die Welt: ein verschlossener Mund und ein verschlossenes Haus.“ (Marie von Ebner-Eschenbach)
Kennt Ihr solche Tage, an denen Ihr einfach komplett abtauchen möchtet und für niemanden zu erreichen sein wollt?
Für mich, Silke, ist der heutige Reformationstag oder heute populärer Halloween solch ein Tag. Ich kann diesen Riten rein gar nichts abgewinnen und finde sie auch gar nicht lustig. Ich versuche die Massen an Halloween-Süßigkeiten, Kostümen und andere Deko in allen Geschäften zu ignorieren. Ich lehne den ganzen Kommerz ab. Ich fühle mich genervt und gestresst und finde es gar nicht lustig. Und dann ist da noch die Sorge vor Sachbeschädigung an meinem Eigentum, wenn die Kinder nichts geschenkt bekommen.
Seit vielen Jahren klingeln regelmäßig Kinder von unserer Wohnanlage an unserer Tür und fragen nach Süßigkeiten. Selbst Schilder mit „Bitte nicht klingeln!“ an der Wohnungstür helfen nicht. Wir öffnen grundsätzlich nicht die Tür. Skurril empfand ich es, dass es letztes Jahr bei uns im Haus schon eine Woche vor dem 31.10. eine Vor-Halloween-Party gab.
An Halloween versuche ich mich in der Regel in unserer Wohnung zu verstecken und gehe nach Möglichkeit ab dem Nachmittag nicht mehr auf die Straße.
Dieses Jahr wird es mir hoffentlich gelingen, an dem Tag keine Geister und Co zu sehen. Am Vormittag werden wir meinen Eltern im Garten helfen und am Nachmittag gehe ich zu einem Chortreffen.
Abtauchen verbinde ich, Rolf, mit Scham: Am liebsten im Boden versinken. Doch was Silke meint, übersetze ich mir eher als Rückzug, seine Ruhe haben wollen. Den Wunsch sich zurückziehen zu wollen, kann ich gut nachvollziehen. Ich bin eher ein introvertierter Mensch. Und große Menschansammlungen oder viele verschiedene Treffen mit unterschiedlichen Menschen in kurzen Abständen führen mich an meine Grenzen. Ich fühle mich dann angespannt, unausgewogen, überfordert. Zu viele Reize machen mich aggressiv und gereizt.
Ich erinnere mich an einen Besuch in einem Outlet-Center: Viele Menschen, viele Geschäfte, Gedrängel und manchmal auch rücksichtloses Verhalten von Besuchern, die nicht schnell genug vorankommen. Diese Atmosphäre halte ich nur kurz aus. Dann möchte ich mich dem Trubel entziehen. Die vielen Angebote überfordern mich schnell. Bei der Entscheidung, welches Hemd oder welche Hose ich nun kaufen sollte, fühle ich mich hilflos und ich werde schnell ungeduldig, wenn ich nicht das Passende finde.
Ganz anders ergeht es mir, wenn ich im Wald spazieren gehen kann und die Ruhe finde, mich wahrzunehmen. Dann bin ich froh und glücklich. Ich tanke neue Energie und gehe gestärkt an die nächste Aufgabe.
Fragen zum Austausch:
- Ich denke an eine Situation, in der ich am liebsten abgetaucht wäre oder bin. Beschreibe kurz die Situation. Wie fühlte ich mich damals und wie fühle ich mich, wenn ich Dir das schreibe?
- Ich erinnere mich an eine Begebenheit, wo ich es geschafft habe abzutauschen. Beschreibe kurz die Umstände. Wie fühle ich mich, wenn ich an diese Situation denke?
Herzliche Grüße aus Berlin-Spandau
Silke Bährens und Rolf Schudlich
Foto: © Silke

